Erste Bilanz
Erste Bilanz
Die Lüner Initiative gegen Globale Armut - LIGA
Die UN-Millenniumkampagne in Lünen
Eine-Welt-Arbeit hat in Lünen eine lange Tradition: Engagierte Lehrer/innen nehmen das Armutsthema im Unterricht auf; Partnerschaften von Schulen und Kirchengemeinden bemühen sich den „Eine-Welt-Gedanken“ ganz praktisch zu leben; vor einigen Jahren gab es auch eine feste Anlaufstelle für entwicklungspolitisches Arbeiten; der faire Handel hat mit seinem Eine-Welt-Laden und regelmäßigen Aktionen einen festen Platz im Lüner Veranstaltungskalender; um die Sorgen und Nöte von Migranten/innen kümmern sich eine Reihe von Organisationen und viele andere entwicklungspolitische Anstrengungen kommen hinzu. All das sind in der Vergangenheit jedoch immer Aktionen einzelner Personen oder Gruppen in Lünen gewesen – eine Bündelung von Aktivitäten hat es nicht gegeben.
Gründung eines neuen Netzwerks
Im Herbst 2006 trafen sich erstmals einige Eine-Welt-Akteure aus Lünen, um Erfahrungen auszutauschen und die Möglichkeit einer Zusammenarbeit auszuloten. Nach einer ersten gemeinsamen Aktion zu den UN-Millenniumszielen und einem kleineren Workshop stand für alle Beteiligten fest: Wir wollen zukünftig regelmäßig zusammenarbeiten.
Erwartet wurden von einer engeren Kooperation vor allem:
- eine deutlich bessere Wahrnehmung von entwicklungspolitischen Aktionen und Themen,
- mehr Gewicht und ein höheres Durchsetzungsvermögen von Forderungen an den Stadtrat, die Politik und Großorganisationen,
- die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches untereinander.
In 2007 haben sich dann 25 Gruppen zum Netzwerk „Lüner Initiative gegen Globale Armut - LIGA“ zusammengeschlossen. Mit dabei waren kirchliche Projekte, Schulen, Verbraucherzentrale, Gewerkschaften, Frauennetzwerk, attac, Organisationen von Menschen mit Migrationshintergrund sowie städtische Einrichtungen, wie die Stadtbücherei und die VHS. Ausgangspunkt für die Arbeit von LIGA ist die Millenniumserklärung der Vereinten Nationen mit dem Versprechen von 189 Regierungen - auch der deutschen - die weltweite Armut gemeinsam und entschieden zu bekämpfen. LIGA will mit seinen Möglichkeiten dazu beitragen, der bisher lahmenden Verwirklichung der Millenniumsentwicklungsziele einen neuen Schub zu geben.
LIGA ist ein „loses“ Netzwerk ohne festen rechtlichen Rahmen (kein. e.V.). Arbeitschwerpunkte und organisatorische Fragen werden auf Netzwerktreffen oder Workshops besprochen, die für alle Bürger/innen offen sind und alle zwei Monate stattfinden. Die notwendigen finanziellen Mittel werden durch Spenden und Projektförderung aufgebracht. Die Arbeit wird durch mehrere Koordinatoren/innen und eine Geschäftsführerin vorbereitet und umgesetzt. Alle Tätigkeiten sind ehrenamtlich. Wichtige Unterstützung bei Gründung und Aufbau von LIGA leisteten das Eine Welt Netz NRW und vor allem das Forum für Umwelt und gerechte Entwicklung (FUgE), Hamm. Die FUgE unterstützt die Arbeit von LIGA bei konzeptionellen, organisatorischen und finanziellen Fragestellungen.
Ziele und Aktionen
Aus der zentralen Zielsetzung einen Beitrag zur Umsetzung der Millenniumsziele in Lünen zu leisten und so zur Überwindung der weltweiten Armut beizutragen, hat LIGA sein Arbeitsprogramm entwickelt.
Im Folgenden sollen einige Teilziele und die dazugehörigen Aktionen beispielhaft vorgestellt werden:
Die LIGA möchte das Bewusstsein für Armutsprobleme stärken und die Millenniumsziele sowie den Stand ihrer Umsetzung in Lünen bekannt machen.
- Aktionstag zur Vorstellung der Millenniumsziele sowie der LIGA-Mitglieder mit ihren Aktivitäten in der Fußgängerzone
- Ausstellung zu den Millenniumszielen im Rathausfoyer unter Beteiligung von Denis Goldberg einem Weggefährten von Nelson Mandela.
Durch Informations- und Öffentlichkeitsarbeit sollen Schüler/innen über Ungerechtigkeiten, Verletzung von Menschenrechten und rücksichtslosen Umgang mit bedrohten Ressourcen aufgeklärt werden.
- Ausstellung „ Unsere Zukunft- Eine Welt“ zu den Themenkomplexen Gerechtigkeit und Frieden, Klima und Energie, Fairer Handel, Hunger und Armut mit spezifischen Nutzungsangeboten für Schüler/innen im Rathausfoyer
- Vortrag mit Live-Satellitenbildern mit einer Darstellung von Klimaveränderungen für Schüler/innen und Bürger/innen
Partnerschaften für Entwicklung aufbauen und pflegen
- Unterstützung von drei langjährigen Partnerschaften zwischen Lüner Institutionen und afrikanischen Einrichtungen und ihre Beteiligung an allen wichtigen Aktionen von LIGA
- Solidaritätsaktion am Welt-Aids-Tag mit Spendenaktion auf dem Marktplatz
Impulse für eine dem Grundsatz der Einen-Welt verpflichteten Kommunalpolitik geben
- Herbeiführung eines (einstimmigen) Ratsbeschlusses zur Unterstützung der Millenniumsziel
- Initiierung eines (einstimmigen) Ratsbeschlusses gegen ausbeuterische Kinderarbeit
Bilanz erster Erfahrungen
Die mit der Gründung des Netzwerkes verbundenen Erwartungen haben sich im Wesentlichen erfüllt. Das breite LIGA-Bündnis hat dazu geführt, dass „unsere“ Themen und Aktionen deutlich besser wahrgenommen werden. Durch die Bündelung der Kräfte waren Aktionen möglich, die einzelne Gruppen kaum hätten durchführen können. In der Lokalpolitik haben unsere Anliegen und Forderungen deutlich mehr Gewicht. Dies zeigen auch die beiden Ratsbeschlüsse zur Unterstützung der Millenniumsziele und gegen ausbeuterische Kinderarbeit. Durch den regelmäßigen Erfahrungsaustausch und durch gemeinsame Aktionen der LIGA-Mitglieder konnten wir dem Einzelkämpfergefühl entgegenwirken und gegenseitige Solidarität entwickeln helfen.
Weitere wichtige Erfolgsfaktoren für den Aufbaues eines lokalen Eine-Welt-Netzes sind die „wohlwollende“ Begleitung und Unterstützung durch die örtlichen Medien sowie die Einbeziehung der im Rat vertretenen Parteien, bei Beachtung der eigenen Unabhängigkeit sowie der gleichen Distanz zu diesen. Auch die gute Kooperation mit benachbarten Netzwerken (wichtig z.B. für die Themenauswahl, Nutzung von Medien, Hinweise auf Fördermöglichkeiten etc.) und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung sind als positive Faktoren zu werten. Als problematisch erweist hingegen vor allem das Fehlen einer institutionellen Förderung. Für jede Maßnahme müssen die finanziellen Mittel erst beschafft werden. Bei Projekten sind Eigenmittel und Vorfinanzierung notwendig.
Unser Beispiel zeigt: Die Zusammenarbeit vieler Organisationen und Gruppen, denen die Lebensbedingungen der Menschen in den armen Ländern nicht gleichgültig sind, gibt dem Thema „ globale Gerechtigkeit“ in der Kommune einen festen Platz und erhöht bei allen Akteuren den Spaß an der entwicklungspolitischen Arbeit.
Autoren/innen: Jutta Gülzow/Ulrich Klink/Ulrich Scholz/Christine Thamm/Ulrich Weber
Erschienen in: shalom, möwe, 1/2009